Zwei sind besser – Gruppe im Co leiten
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Warum Gruppen im Co leiten?
Eine Gruppe zu zweit zu leiten, kann eine große Ressource sein. Vier Augen sehen mehr als zwei und auch vier Ohren hören mehr. Während eine Fachkraft gerade eine Methode anleitet oder ein Gespräch führt, kann die andere beobachten: Wer beteiligt sich? Wer zieht sich zurück? Welche Dynamik entsteht gerade?
Eine Tandemleitung erweitert außerdem das Beziehungsangebot für die Gruppenmitglieder. Unterschiedliche Persönlichkeiten, Erfahrungen und Arten der Ansprache können dazu beitragen, dass junge Menschen leichter Zugang zur Gruppe finden. Auch fachlich kann Co-Leitung entlasten: Ihr könnt Euch ergänzen, gegenseitig unterstützen und Gruppenprozesse gemeinsam reflektieren. Genau deshalb wird eine Gruppenleitung im Tandem als wichtige Gelingensbedingung von Gruppenarbeit beschrieben.
Aber: Zwei Personen in einer Leitungsrolle sind nicht automatisch ein gutes Team. Co-Leitung braucht bewusste Gestaltung.
Vor der Gruppe: Rollen und Erwartungen klären
Bevor Ihr gemeinsam startet, solltet Ihr Euch über Eure Rollen verständigen. Wer übernimmt welche Aufgaben? Wer behält den zeitlichen Rahmen im Blick? Wer moderiert ein Konfliktgespräch? Und wie geht Ihr damit um, wenn Ihr in einer Situation unterschiedliche Einschätzungen habt?
Dabei muss nicht jede Aufgabe dauerhaft einer Person zugeordnet sein. Es kann sogar sinnvoll sein, Rollen zu wechseln: Heute moderiert eine Person, während die andere stärker beobachtet; beim nächsten Treffen kann es andersherum sein. Wichtig ist, dass Ihr als Team nachvollziehbar handelt und die Gruppenmitglieder wissen, an wen sie sich wenden können.
Unklare Rollen können die Gruppe verunsichern. Wenn Gruppenleitungen sich widersprechen, konkurrieren oder sich gegenseitig korrigieren, werden ihre Spannungen schnell Teil des Gruppengeschehens. Die eigene Zusammenarbeit gehört deshalb zur pädagogischen Aufgabe dazu.
Während der Gruppenstunde: Gemeinsam präsent bleiben
In der Gruppe kann es hilfreich sein, wenn nicht immer beide Fachkräfte gleichzeitig im Mittelpunkt stehen. Eine Person kann die Leitung übernehmen, während die andere die Atmosphäre, einzelne Gruppenmitglieder oder die Beziehungen untereinander im Blick behält.
Das bedeutet nicht, dass die beobachtende Person „nichts tut“. Beobachten ist eine aktive Aufgabe: Sie hilft Euch dabei, Dynamiken wahrzunehmen, die im direkten Handeln vielleicht untergehen. Nach der Gruppenstunde könnt Ihr diese Beobachtungen zusammentragen und überlegen, was die Gruppe beim nächsten Treffen braucht.
Achtet dabei auf Eure Wirkung als Team. Sprecht Ihr respektvoll miteinander? Könnt Ihr unterschiedliche Perspektiven zulassen? Bleibt Ihr auch dann verbunden, wenn eine Situation herausfordernd wird? Als Co-Leitung gebt Ihr der Gruppe immer auch ein Modell dafür, wie Zusammenarbeit aussehen kann.
Nach der Gruppe: Den „Tacho auf Null“ stellen
Damit sich Unstimmigkeiten nicht ansammeln, braucht Co-Leitung feste Zeiten für Vor- und Nachbesprechungen. Die sogenannte 0-Regel kann dabei eine einfache Orientierung bieten: Vor und nach der gemeinsamen Arbeit stellt Ihr den „Tacho“ auf null.
Dafür könnt Ihr Euch zum Beispiel diese drei Sätze anbieten:
So entsteht ein Raum, in dem Wertschätzung genauso Platz hat wie Unsicherheiten und konkrete Wünsche. Es geht nicht darum, die andere Person zu bewerten. Vielmehr könnt Ihr klären, was zwischen Euch gerade wirksam ist, bevor es unbewusst in die Gruppenleitung hineinspielt.
Co-Leitung braucht Zeit – auch außerhalb der Gruppe
Vorbereitung, Nachbereitung und Reflexion sind keine zusätzlichen Aufgaben, die „irgendwie noch“ nebenher passieren sollten. Sie gehören zur Gruppenarbeit dazu. Gerade im Tandem braucht es Zeit, um Beobachtungen auszutauschen, Entscheidungen abzustimmen und die gemeinsame Haltung weiterzuentwickeln.
Gruppenarbeit braucht strukturell abgesicherte Zeit für Vorbereitung, Nachbereitung und professionelle Reflexion. Das kann als Tandemgespräch, kollegiale Beratung, Intervision oder Supervision stattfinden.
Fazit: Co-Leitung ist mehr als Aufgaben teilen
Zu zweit zu leiten bedeutet nicht einfach, die Arbeit aufzuteilen. Gute Co-Leitung entsteht, wenn Ihr Euch gegenseitig ergänzt, Unterschiede als Ressource nutzt und Eure Zusammenarbeit regelmäßig reflektiert.
Dann kann das Tandem nicht nur Euch als Fachkräfte entlasten. Es schafft auch für die Gruppe einen verlässlichen Rahmen, in dem unterschiedliche Beziehungen, Perspektiven und Lernmöglichkeiten Platz haben.
Reflexionsfragen