Zielorientierte Gruppenarbeit in den Hilfen zur Erziehung
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Ausgangslage: Hilfen zur Erziehung
Erich Schmidt, Sozialpädagoge und zertifizierter SKT-Trainer bei der Jugendhilfe Korntal, nimmt Dich in diesem Beitrag mit in seine Auseinandersetzung mit zielorientierter Gruppenarbeit im HzE-Kontext. Erich bietet im Rahmen der Hilfen zur Erziehung ein Soziales Kompetenztraining (SKT) als Gruppenangebot für Kinder an. Aber lies selbst:
Wenn alle Gruppenmitglieder sich im Kontext von Hilfen zur Erziehung befinden, ist das ein spezielles Gruppensetting. Konkret bedeutet das nämlich:
Gerade deshalb war es uns als Team wichtig, das SKT nicht „nur“ als weiteres Modul im Hilfeplan zu verstehen, sondern als echten gruppenpädagogischen Prozess – mit eigener Ziellogik und Beteiligung der Kinder.
Das Setting der Gruppe als Kontrastprogramm
Dafür haben wir darauf geachtet, die Gruppe nicht nur als ein organisatorisches Setting zu nutzen, sondern als einen bewusst gestalteten pädagogischen Raum mit eigener Zielsetzung.
Dazu gehört, dass die Kinder sich bewusst dafür entscheiden, Teil der Gruppe zu werden. Das haben wir ihnen ermöglicht, indem es erstmal unverbindliche Kennenlerntermine gab, an denen sich die Kinder den Raum, die Leitung und die Gruppe anschauen konnten. Dann haben wir als Fachkräfte den Kindern bewusst die Frage gestellt: Könnt ihr euch vorstellen, für eine bestimmte Zeit Teil dieser Gruppe zu sein?
Zielorientierte Gruppenarbeit: Rahmenziel, Gruppenziel, persönliche Ziele
Im HzE‑Kontext sind Ziele meist stark auf das Individuum bezogen: Verhaltensänderungen, Förderung sozialer Kompetenzen, Bewältigung von Belastungen. Das Rahmenziel (klicke hier, um auf den Artikel zum Rahmenziel zu kommen) ist bereits durch das Hilfesetting vorgegeben, zum Beispiel:
Beim Gruppenziel (klicke hier, um auf den Artikel zum Gruppenziel zu kommen) haben wir dann den Freiraum genutzt, um gemeinsam in der Gruppe zu überlegen:
Dabei geht es nicht um hochtrabende Formulierungen. Es darf „einfach“ sein. Häufig sind Ziele wie „eine gute Zeit miteinander haben“, „fairer miteinander umgehen“ oder „uns besser verstehen“ zentral – und das wirkt auch entlastend: Die Gruppe setzt sich ein realistisches, gemeinsam getragenes Ziel.
Parallel dazu haben wir auch mit den Kindern individuell im SKT-Konzept gearbeitet, etwa mit Biografiearbeit oder einer Stärken- und Schwächenanalyse. Dabei haben wir auch nochmal ganz konkret innerhalb der Zielkonzepte gearbeitet und gefragt, was das persönliche Ziel für die Gruppenzeit ist.
Aus dieser Arbeit heraus definieren die Kinder ihr eigenes Ziel für die Teilnahme an der Gruppe. Dabei werden ihre Ressourcen und Wünsche sichtbar und ernst genommen.
Eine klare Richtung für die Gruppe
Wir hatten vorher noch nie so klar vereinbart, was wir miteinander wollen – nicht nur individuell, sondern als Gruppe. Das hat uns geholfen, Gruppencommitment zu denken und uns zu fragen, wo wir als Gruppe gemeinsam hinwollen.
Passung und Druck: Wer muss Teil der Gruppe sein – und wer nicht?
Eine wichtige Reflexion betraf für uns in diesem Kontext auch die Frage der Gruppenhomogenität und der Passung:
Unsere Erfahrung hat gezeigt:
Manche Kinder können oder wollen sich (noch) nicht öffnen – sei es aus Scham, aufgrund ihres Alters oder wegen anderer Vorbehalte.
Es kann für ein Kind befreiend sein, nicht (mehr) Teil der Gruppe zu sein.
Diese Einsicht entstand nicht „von selbst“, sondern erst in der Reflexion mit Kolleg*innen. Dabei wurde für uns klar:
Gruppenzugehörigkeit ist auch in den Hilfen zur Erziehung nicht nur Pflicht, sondern sollte als Recht auf passende Unterstützung verstanden werden – inklusive der Option, aus dem Gruppenangebot auszusteigen und andere Formen der Hilfe zu nutzen.
Damit wird ein wichtiges Prinzip der Gruppenarbeit in der Sozialen Arbeit deutlich: Gruppenarbeit ist ein gezielter, methodischer Einsatz von Gruppen – sie ist kein Selbstzweck und nicht für alle Kinder in jeder Situation der passende Weg.
Reflexionsfragen