Zielorientierte Gruppenarbeit

Kategorie: Theorie-Impulse

Lesedauer: 5 Minuten

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Das Bild zeigt eine Person, die auf der Spitze eines großen roten Pfeils steht. Die Person hält ein Fernglas und blickt nach vorne. Mehrere blaue und ein gelber Pfeil verlaufen diagonal nach oben, was Bewegung und Fortschritt symbolisiert. Der Hintergrund ist in warmen Orangetönen gestaltet, die einen Sonnenaufgang oder eine positive Stimmung andeuten. Das Motiv vermittelt Orientierung, Zielgerichtetheit und Wachstum.

In diesem Beitrag stellen wir Dir unser Konzept der zielorientierten Gruppenarbeit vor. Dieses Konzept haben wir im Verlauf der ersten Projektphase erarbeitet. In der ersten Projektphase hatte sich gezeigt, dass die Trennung zwischen einem übergeordneten konzeptionellen Ziel von Gruppenarbeit und den konkreten Zielen der Gruppenmitglieder hilfreich für die Gestaltung von Gruppenangeboten ist. Konkret heißt das:

Das Rahmenziel

Fachkräfte legen bei der Planung eines Angebots ein übergeordnetes Rahmenziel fest – idealerweise in Reaktion auf beobachtete oder artikulierte Bedarfe der Adressat*innen. Was wir unter Rahmenzielen verstehen, welche für die Methode Gruppenarbeit geeignet sind und wie Du sie entwickelst, erfährst Du hier: klicke auf den Link um zu dem Artikel zum Rahmenziel zu kommen. Mit der Festlegung eines Rahmenziels trägst Du dem bewussten Einsatz von Gruppenarbeit als Methode zur pädagogischen Zielerreichung Rechnung. Außerdem wird mit dem Rahmenziel der fachliche Anlass benannt, warum Du Gruppenarbeit als Methode (statt anderer bewährter Methoden in der Sozialen Arbeit) einsetzt.

Unterscheidung von Zielen

Wir unterscheiden drei Varianten von Zielen: Erstens das Rahmenziel, auf das wir soeben eingegangen sind. Es ist das übergeordnete, konzeptionelle Ziel und fungiert als Dach. Zweitens gibt es in der Gruppe ein gemeinsames Ziel der Gruppenmitglieder, dieses nennen wir Gruppenziel. Es ist das Ziel, auf das sich die Gruppe zusammen verständigt hat, der konkrete Anlass, warum die Gruppe als solche zusammenkommt. Es spiegelt die Attraktivität der Gruppe für die Gruppenmitglieder wider. Bei dem Gruppenziel handelt es sich um ein spezifisches Ziel, das über die Zeit und entlang der Interessen der Gruppenmitglieder veränderbar ist.  Das Gruppenziel bildet zugleich das Ergebnis des Verständigungsprozesses der Gruppenmitglieder dazu ab, welche gemeinsamen persönlichen Ziele sie mit der Teilnahme an dem Gruppenangebot verfolgen. Persönliche Ziele könnten bewusste und unbewusste, ausgesprochene und unausgesprochene, temporäre und dauerhafte Ziele der einzelnen Gruppenmitglieder sein – je wahrscheinlicher die persönlichen Ziele in und mit der Gruppe erreicht werden können, desto zufriedener sind Gruppenmitglieder mit und in ihrer Gruppe. Dies zeigt, wie wichtig es ist, dass sich persönliche Ziele im Gruppenziel wiederfinden und dass das Gruppenziel zum Rahmenziel der Gruppe passt – und andersrum.

Als Gruppenleitung hast Du dann die Aufgabe, darauf zu achten, dass die verschiedenen Ziele auf den unterschiedlichen Ebenen (persönlich, Gruppe, Rahmen) zusammenpassen und regelmäßig zu überprüfen, ob sie noch aktuell sind. Die Hauptaufgabe im alltäglichen Gruppengeschehen ist es, für förderliche Bedingungen zu sorgen, dass die Gruppenmitglieder ihre Ziele erreichen können – denn natürlich kannst Du den Gruppenmitgliedern nicht die Arbeit und den Prozess zur Zielerreichung oder Annäherung an Ihre Ziele abnehmen. Aber sie bestmöglich darin unterstützen.

Klarheit statt diffuser Allzuständigkeit

Mit dieser Differenzierung der drei Arten von Zielen in Gruppensettings nehmen wir eine Engführung in der Gruppenarbeit vor und wirken damit einer diffusen Allzuständigkeit entgegen. Diese konzeptionelle und zugleich ganz praktische Arbeit mit Zielen bietet unserer Erfahrung nach allen Beteiligten Handlungssicherheit. Und das, ohne, dass die Zielsetzung zu starr wird.

Zugleich bietet die zielorientierte Gruppenarbeit Klarheit darüber, welche Wirkung mit dem Gruppenangebot erreicht werden soll – damit wird auch überprüfbar gemacht, ob die Methode im Prozess und rückblickend geeignet war, um das fachlich gesetzte Ziel (Rahmenziel) zu erreichen.

Innerhalb dieser Rahmensetzung erhalten die Gruppenmitglieder die Möglichkeit, gemeinsam das so genannte Gruppenziel festzulegen. Dies wird in verschiedene Teilziele untergliedert.

Bei aller Offenheit für die persönlichen Ziele der Gruppenmitglieder und dem gemeinsamen Gruppenziel ist es unabdingbar darauf zu achten, dass alle Ziele fachlich und ethisch-moralisch vertretbar sind. Diese Aufgabe kommt Dir als Gruppenleitung zu.

Dieses Schaubild zeigt Dir, wie die verschiedenen Ziele der Gruppenarbeit zueinander in Bezug stehen:

Wenn Du hierzu weiterdenken möchtest, schau Dir doch auch noch unseren Reflexionsimpuls zur Unterscheidung von Zielen in der Gruppenarbeit an. Klicke hier auf den Link um zum Artikel „Ziele in der Gruppenarbeit unterscheiden“ zu kommen.


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