Gruppenphasen als Entwicklungsdynamik
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Lesedauer: 4 Minuten

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Gruppenphasen sind ein Klassiker in der Auseinandersetzung mit Gruppen. Auch sie können helfen, soziale Dynamik in Gruppen besser zu verstehen. Gruppenphasen beschreiben unterschiedliche Situationen, in denen sich Gruppen – ganz unabhängig vom Thema, der Zusammensetzung und des Rahmens – befinden können. Aus diesen Situationen folgen verschiedene Aufgaben für die Einzelnen in der Gruppe und für die Gruppenleitung.
Gruppenphasen als Entwicklungsphasen verstehen
Das Wissen um Gruppenphasen kann Dir helfen, die Entwicklungsdynamik Deiner Gruppe in den Blick zu bekommen – insbesondere, wenn diese irritiert oder andere Prozesse erschwert. Dann können Gruppenphasen die richtige „Brille“ sein, um von diesen Beobachtungen aus pädagogische Interventionen abzuleiten. Je nachdem, in welche Literatur man schaut, werden die Gruppenphasen teilweise unterschiedlich benannt, hier findest du eine Möglichkeit:
Überblick über die Gruppenphasen:
Achtung: Gruppenphasen – sind nicht statisch, sondern dynamisch
Wichtig ist, dass es sich bei den Gruppenphasen nicht immer notwendigerweise um lineare Entwicklungen handelt. Das heißt: die zweite Phase folgt nicht zwangsläufig der ersten Phase, nach der dritten Phase kann statt der vierten durchaus auch nochmal die erste kommen, und so weiter. Auch findet sich nicht in jedem Gruppenprozess jede Phase wieder und manche werden ausgelassen. Außerdem können Gruppenphasen sich überschneiden und es kann zu themenspezifischen Ungleichzeitigkeiten kommen. Beim Verlauf der Gruppenphasen gibt es viele verschiedene Faktoren, die darauf Einfluss haben können: zum Beispiel die äußeren Rahmenbedingungen oder das Gruppenziel.
Gruppenphasen: Situation und Aufgaben
Die verschiedenen Phasen im Gruppenprozess bringen je nach Entwicklungsschritt unterschiedliche Aufgaben mit sich. Das kannst Du Dir so vorstellen:
Forming: In der Gründungsphase finden sich alle in der Gruppe ein, die Gruppenmitglieder genauso wie Du als Gruppenleitung. Es könnte also Deine Aufgabe sein, Dich erstmal zu orientieren: Wie viel Verantwortung musst Du selbst in die Hand nehmen, um die Gruppe aufzubauen und zu stabilisieren? Wie viel kannst Du direkt an die Gruppenmitglieder abgeben? Was brauchen die Gruppenmitglieder, um einander kennen zu lernen und Vertrauen zu schöpfen?
Storming: Diese Phase ist von Unruhe und dem Ringen um Positionen, von Diskussionen und auch von Unsicherheit geprägt. Als Gruppenarbeiter*in bist Du in dieser Phase gefragt, Konflikte zu begleiten und die eigene Rolle im Gefüge der Gruppe (wieder) zu finden.
Norming: In dieser Phase hat Deine Gruppe „sich gefunden“ – sie sind vertraut miteinander, streben nach Harmonie und können gemeinsam etwas auf die Beine stellen. Die Gruppenmitglieder versuchen, vieles auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Als Gruppenleitung kannst Du in dieser Phase besonders darauf achten, dass die Gruppe ihre Ziele nicht beliebig erweitert oder die Vereinbarungen der Gruppe aus dem Blick geraten. Gleichzeitig solltest Du in dieser Phase darauf achten, dass Du Dich nicht zu sehr einbindest, die Selbstläufigkeit der Gruppe förderst, aber die Gruppenmitglieder auch nicht überforderst.
Performing; Deine Gruppe ist in ihrer vollen Kraft und kann etwas selbständig und gemeinschaftlich umsetzen. Dabei schafft sie es, verschiedene Meinungen einzubeziehen. Für Dich als Gruppenleitung bedeutet das, dass Du in dieser Phase die Kontrolle mehr und mehr bei der Gruppe lässt, ohne ihr das Gefühl zu geben, dass Du kein Interesse an ihr hast.
Re-Forming: In dieser Gruppenphase geht es darum, sich voneinander zu lösen, zu bilanzieren, was gemeinsam erreicht wurde und was vielleicht auch nicht und sich neu zu orientieren. Als Gruppenleitung unterstützt Du die Gruppe in dieser Phase am besten, indem Du den verschiedenen Gefühlen, die das auslösen kann, Raum gibst. Folgende Fragen sind in dieser Phase zentral: Geht es um einen vollständigen Abschied? Oder um eine Neufindung der Gruppe? Welche Rituale helfen, die bisherigen Prozesse gut abzuschließen? Wer nimmt Abschied und was braucht es dafür? Wenn es um eine Beendigung der ganzen Gruppe geht, können diese Fragen hilfreich sein: Was sollte nochmal besprochen werden? Auf was kann die Gruppe stolz sein? Wie kann ein gutes Ende gefunden werden, ohne dass nochmal viele neue Themen aufgeworfen werden?
Reflexionsfragen
Verwendete Literatur
Herz, Birgit (2017): Gruppen leiten. Eine Einführung für pädagogische Praxisfelder. Opladen, Berlin, Toronto: Barbara Budrich, S. 24.
König, Oliver; Schattenhofer, Karl (2020): Einführung in die Gruppendynamik. Heidelberg: Carl Auer, 10. Auflage, S. 62 – 63.
Schattenhofer, Karl (2009): Was ist eine Gruppe? Verschiedene Sichtweisen und Unterscheidungen. In: Handbuch Alles über Gruppen. Theorie, Anwendung, Praxis. Weinheim und Basel: Beltz Juventa, 2. Auflage, S. 16-46 [Tabelle zu Gruppenphasen und damit verbundenen Aufgaben: S. 38 – 42],
Simon, Titus/Wendt, Peter-Ulrich (2022). Lehrbuch Soziale Gruppenarbeit. 2., überarbeitete Auflage. Weinheim, Basel: Beltz Juventa, S. 31.