Zieldynamik

Kategorie: Theorie-Impulse

Lesedauer: 3 Minuten

Download (PDF)
Illustration einer großen Gruppe von Menschen, die in bunten Farben dargestellt sind und gemeinsam die Form eines nach rechts gerichteten Pfeils bilden.

Designed by Freepik


In der Gruppenarbeit spielen nicht nur Rahmenziele und das Gruppenziel (schau dazu gerne in unsere Beiträge: klicke hier für Rahmenziele) eine Rolle, sondern auch die persönlichen Ziele der einzelnen Gruppenmitglieder. Der Versuch der Einzelnen, diese Ziele zu verwirklichen, kann wiederum als soziale Dynamik und in sozialer Interaktion sichtbar werden. Denn: das eigene Handeln in der Gruppe und die dahinterliegenden Ziele stehen immer in Bezug zueinander und beeinflussen sich gegenseitig.

Persönliche Ziele und die Teilnahme an der Gruppe

Ob sich eine Person für oder gegen eine Gruppenzugehörigkeit entscheidet, hängt davon ab, wie sie das entstehende Beziehungsgeflecht bewertet. Entscheidend ist, ob dieses dabei hilft, persönliche Ziele zu erreichen.. Je mehr persönliche Ziele verwirklicht werden können, desto zufriedener ist ein Mitglied mit der Gruppe. Dabei muss man berücksichtigen, dass es sowohl bewusste als auch unbewusste persönliche Ziele gibt. Außerdem können Ziele konkret, aber auch diffus sein.

Dimensionen persönlicher Ziele

Um etwas tiefer einzusteigen, kann es hilfreich für Dich sein, die persönlichen Ziele entlang der folgenden Dimensionen zu unterscheiden:

  • sachliche vs. zwischenmenschliche Ziele;
  • öffentliche und transparente vs. geheime und verdeckte Ziele;
  • gesetzte vs. wählbare Ziele;
  • Kern- oder Schlüsselziele vs. weniger priorisierte Ziele.

Misslingt die Verwirklichung der persönlichen Ziele oder stehen diese im Konflikt mit anderen Zielen, entsteht ein sogenannter Zielkonflikt. Er kann zu Missmut bei den betroffenen Gruppenmitgliedern führen.

Der Gruppenzielpool

In Verbindung mit dem Rahmen- und Gruppenziel kann folgende bildliche Darstellung helfen:

Du kannst Dir die Gruppe als Pool vorstellen, in dem die persönlichen Ziele der Gruppenmitglieder umherschwimmen. Dabei können sie konkret oder diffus, individuell wichtig oder unwichtig, bewusst oder unbewusst sein. Das Rahmenziel bildet die Außenwand des Pools; es ist konzeptionell gesetzt und unbeweglich – wie die Außenwand unseres Pools (natürlich gibt es auch die Möglichkeit, das Rahmenziel konzeptionell anzupassen – damit würde aber die komplette Außenwand ausgetauscht werden). Weder das Rahmenziel noch das Gruppenziel sollten im Konflikt mit den wichtigen persönlichen Zielen stehen. Je eher die persönlichen Ziele auch mit dem Gruppenziel erreicht werden können und je weniger Zielkonflikte es zwischen den persönlichen Zielen der Gruppenmitglieder untereinander sowie mit dem Gruppenziel gibt, desto höher ist auch die Zufriedenheit in der Gruppe.

Zielpassung & Zufriedenheit

 Warum ist es so wichtig, sich mit den persönlichen Zielen der Einzelnen auseinander zu setzen?

  • Je bewusster den Einzelnen ihre eigenen persönlichen Ziele sind, desto eher ist eine Verständigung über diese möglich
  • Je bewusster den Beteiligten ihre persönlichen Ziele sind, desto eher können sie herausfinden, ob die Gruppe für sie der richtige Ort ist.
  • Je transparenter die persönlichen Ziele der Einzelnen untereinander und das übergeordnete Rahmenziel sind, desto leichter wird es, zusammen das Gruppenziel herauszufinden.
  • Je offener alle Gruppenmitglieder über ihre persönlichen Ziele sprechen (können), desto eher findet die Gruppe ein Gruppenziel, das wirklich zu allen passt. Das sorgt für Orientierung und mehr Zufriedenheit in der Gruppe.
  • Je klarer all diese Punkte sind, desto eher können einzelne Gruppenmitglieder entscheiden, ihre persönlichen Ziele anzupassen oder anders zu gewichten, um zufrieden und in der Gruppe zu bleiben – oder an den Zielen festzuhalten und sich im Wissen darum im Guten aus der Gruppe zu verabschieden.

 Verschränkung mit Gruppenphasen

Die Überlegungen zu Zielkonflikten können mit den Überlegungen zu Gruppenphasen als Entwicklungsdynamik verschränkt werden. Dabei kann man in der Metapher des Pools bleiben. Ein Beispiel: ist in Zeiten der Aushandlung und der Suche nach Passung das Wasser sehr unruhig (Storming), sortiert sich vieles neu. Das hat auch Einfluss auf das Gruppenziel. Ebenso kann in solchen Zeiten sichtbar werden, dass der Rahmen (Rahmenziel) geändert werden muss oder einzelne Gruppenmitglieder sich überhaupt nicht mehr in diesem Pool wiederfinden und aussteigen.

Reflexionsfragen

  • Welche Ideen und Ansätze hast Du, um die persönlichen Ziele der Gruppenmitglieder zu erfahren – vielleicht sogar ohne direkte Ansprache vor der ganzen Gruppe?
  • Wie kann Dir ein guter Umgang mit Zielkonflikten gelingen? Vielleicht sogar mit einem solchen Zielkonflikt, der bei einem Gruppenmitglied zum Verlassen der Gruppe führt?
  • Wie gelingt es Dir, aus den persönlichen Zielen die Identifikation und Entwicklung des Gruppenziels zu fördern?
  • Wie kannst Du als Fachkraft dafür Sorge tragen, dass das Rahmenziel transparent und das Gruppenziel von allen in der Gruppe getragen wird?

 

Verwendete Literatur

Stahl, Eberhard (2007): Dynamik in Gruppen: Handbuch der Gruppenleitung. Beltz, S. 28 – 31 und S. 51 – 53.

 

 

 


Weitere Artikel


  • Illustration eines Heißluftballons mit zwei Personen, die gemeinsam den Überblick behalten. Eine Person nutzt ein Fernglas, die andere ein Fernrohr. Das Bild steht sinnbildlich für Co-Leitung, gemeinsame Verantwortung und unterschiedliche Perspektiven in der Gruppenarbeit.

    Zwei sind besser – Gruppe im Co leiten

  • Bunte Papierfiguren in Grün, Gelb, Orange, Rot, Blau und Pink stehen auf einer hellen Holzoberfläche im Kreis und halten sich an den Händen. Das warme Sonnenlicht erzeugt lange Schatten, die sich nach außen über die Holzmaserung erstrecken. Die Darstellung symbolisiert Gemeinschaft, Zusammenhalt, Vielfalt und Zusammenarbeit.

    Zielorientierte Gruppenarbeit in den Hilfen zur Erziehung

  • Illustration mit vielen unterschiedlich gekleideten Armen und Händen, die bunte Sprechblasen nach oben halten. In den Sprechblasen stehen Begrüßungen in verschiedenen Sprachen, zum Beispiel „Hola“, „Hi“, „Bonjour“, „Hallo“, „Ciao“, „Hej“, „Ahoj“ sowie Schriftzeichen aus Arabisch, Chinesisch, Japanisch und weiteren Sprachen. Die Farben der Sprechblasen und Kleidung sind vielfältig und lebhaft. Das Bild vermittelt Vielfalt, Internationalität und freundliche Begrüßung.

    Sprachbarrieren in der Gruppenarbeit überwinden: Erfahrungen aus der Praxis