Das Fußballfeld als Methode zur Ziel- und Rollenklärung in der Arbeit mit Gruppen

Kategorie: Konkretes für die Praxis

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Illustration einer Fußballszene: Vier Personen und ein Trainer stehen vor einem übergroßen Fußball. Zwei Kinder spielen mit kleineren Fußbällen, während eine erwachsene Person und der Trainer zuschauen. Im Hintergrund sind stilisierte Pflanzen und ein orangefarbener Himmel mit Sonne zu sehen. Das Bild symbolisiert Gemeinschaft und Teamgeist.

Um Kinder und Jugendliche mit der Gruppenarbeit gut abzuholen, ist es elementar, ihre Lebenswelt konkret aufzugreifen und als Ressource in unserer pädagogischen Arbeit zu nutzen. Abd Alaziz Alshaher und Jochen Ebner leiten eines der Gruppenangebote, die im Projekt „Gruppenarbeit in der Kinder- und Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit – Gruppenarbeit stärken!“ angesiedelt sind. Hier bieten sie Dir einen konkreten Einblick, wie eine fußballbegeisterte Jungen*gruppe mit einer einzigen Metapher zu unterschiedlichsten Reflexionsangeboten eingeladen werden kann. Die Jugendlichen sind begeistert und wir im Projektteam auch – aber lies selbst:

Aktuell leiten wir eine Jungsgruppe mit männlichen Jugendlichen im Alter von 12 bis 16 Jahren. Alle Teilnehmer lieben Fußball, einige spielen selbst im Verein; die Dynamik „auf dem Platz“ ist allen vertraut. So haben wir das Fußballfeld als unser zentrales Bild und Arbeitsmaterial gewählt. Dadurch entstand schnell eine Atmosphäre, in der sich jeder einbringen konnte.

Das Fußballfeld als Metapher für unsere Gruppe

Wir haben also zu einer unserer ersten Sitzungen ganz plastisch ein Plakat mit einem leeren Fußballfeld darauf mitgebracht. Jeder Junge durfte dann für sich überlegen: „Wo sehe ich meine Stärke für das Team?“ Die eigene Einschätzung konnte dann ganz praktisch durch das „Aufstellen“ auf dem Spielfeld sichtbar gemacht werden:

Auch das wurde auf Post-Its zur jeweiligen Spielerposition dazu geschrieben.

Wir als Gruppenleiter stehen am Spielfeldrand und sind die Coaches – unser Ziel: Die Jungs als Team trainieren und sie darin unterstützen, ihre eigenen und die gemeinsamen Potenziale zu entdecken.

“Taktik planen” und Entwicklungen gemeinsam beobachten

Wir entwickelten aus der Gruppe heraus verschiedene „Ämter“ im Team: So haben wir einen Kapitän der Mannschaft, der die Verantwortung trägt, dass die Teammitglieder kommen und selbst als erster da sein soll, ebenso wie einen DJ, der für das musikalische Ambiente sorgt. Weitere Aufgaben entstehen ganz organisch, je nachdem, was die Gruppe braucht – und welche Stärken sichtbar werden. Nachdem die Positionen erstmal gesetzt sind, können diese im Verlauf der Gruppenarbeit immer wieder reflektiert und verändert werden – unser Fußballfeld entwickelt sich sozusagen immer weiter und bildet auch den Verlauf der Gruppenarbeit ab.

Die Arbeit mit Zielen, wie sie auf unserer Seite auch in den Beiträgen zur zielorientierten Gruppenarbeit vorgestellt wird, ist in unserer Metapher des Fußballs die „Taktik“, die wir wählen. Klicke hier, um auf den Beitrag zur zielorientierten Gruppenarbeit zu gelangen.

Mit welcher Methode können wir kleine Ziele erreichen? Das überlegen wir uns als Gruppenleiter (wie bei den Teilzielen) und versuchen dann, die Jungs in einem gewissen Maß zu beteiligen.

Vorbilder als Thema

Ein zentrales Element unserer Arbeit ist die Auseinandersetzung mit Vorbildern:

Was macht ein gutes Vorbild aus? Was möchte ich lernen, was vielleicht auch nicht? Die Jungs tauschen sich dazu aus, vergleichen Erfahrungen und Ideen und reflektieren ihr eigenes Verhalten – im Spiel, aber auch weit darüber hinaus.

So gestalten wir für die Auseinandersetzung mit Teilzielen gemeinsam mit den Gruppenmitgliedern Plakate und Karten zum Thema „Vorbilder“ – im Fußball, in der Familie, im Freundeskreis und stellen dazu folgende Fragen:

Ausblick

Unsere Arbeit ist dabei ein Prozess: Künftig werden wir auch „Zuschauer*innen“ als neue Perspektive einbauen und die Rollen können sich je nach Gruppendynamik verändern. Mal braucht es eine offensivere, mal eine defensivere Taktik – die Gruppe wächst daran, dass sie immer wieder neu überlegt, wie sie gemeinsam weiterkommt und wo jeder Einzelne sich zurücknehmen oder auch zeigen darf. Nach einzelnen Einheiten führen wir Interviews: Was haben wir heute gelernt – im Spiel draußen oder im Gruppengespräch?

Die Ziele der Jungs verändern sich dann vielleicht mit der Zeit: Spaß und Freundschaft stehen oft im Vordergrund, doch immer wieder geht es auch um größere Fragen – Wie werde ich eigentlich ein „junger Mann“? Was gehört dazu? Und schließlich überlegen wir gemeinsam: Wie kann das „Tore schießen“ als Ziel eingebaut werden – als Erfolg für Einzelne oder für das ganze Team?

Reflexionsfragen:


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